Corneliuskapelle

cornelius-kapelle (c) St. Elisabeth und Hubertus

Geschichte der Corneliuskapelle

In den Jahren 1985/86 wurden an der Cornelius-Kapelle Sanierungsarbeiten durchgeführt. Bei der Freilegung der Fundamente fand man römische Dachziegel und römisches Abbruchmaterial (behauene Tuffquader) sowie Keramikscherben der Badorf/Pingsdorfer Machart (10.-12. Jh.). Des Weiteren fand man im Inneren der Kapelle in den oberen Erdschichten Menschenknochen und Sargbeschläge und in einer Tiefe von etwa 1 m ein vollständig erhaltenes männliches sowie ein kindliches Skelett, sodass die Vermutung nahe liegt, dass es sich bei der Kapelle ursprünglich um eine Eigenkirche der ritterlichen Familie von Selincheim handelt, in welcher man die Angehörigen des Geschlechts bestattete. Dieses Rittergeschlecht wohnte nahe der Kapelle in einer zweigeteilten Grabenanlage, dem oval aufgeschütteten Burghügel und dem quadratischen Areal der Vorburg, dem klassischen Erscheinungsbild einer Niederungsburg, wie sie im 9,-13. Jahrhundert am Niederrhein in den Sumpf-, Bruch- und Flusslandschaften verbreitet waren. Auf Grund dieser Ausgrabungen wird die Entstehungsgeschichte der CorneliusKapelle in das 12. Jahrhundert datiert.
Der Kölner Erzbischof Friedrich III. erwarb 1405 vom Grafen Ruprecht von Virneburg und seiner Frau Agnes von Solms die Herrschaft Erprath, zu dem auch das Dorf Selikum mit dem Haus Selikum und der Kapelle gehörte. Da nunmehr die Kapelle im Besitz der Kirche ist, kann man sicherlich davon ausgehen, dass der hl. Cornelius seit mindestens dieser Zeit - wenn nicht sogar schon früher - hier verehrt wird.

Der erste schriftliche Nachweis über die Kapelle stammt von 1573. Danach hat ein Freifräulein von Reuschenberg eine (vermutlich neue oder auch erweiterte?) Cornelius-Kapelle gestiftet. Das Reuschenberger Geschlecht lebte auf dem kurkölnischen Lehnsgut Haus Selikum von 1549-1699. Die erste schriftliche Überlieferung über eine Wallfahrt zur CorneliusKapelle findet man in den Berichten des alten Kirchenrechnungsbuches der Neuss-Grimlinghausener Pfarre St. Cyriakus aus dem Jahre 1607. Kurfürst Ferdinand von Köln übergab die bisher von den Franziskanern betreute CorneliusKapelle Kapelle 1628 den Neusser Jesuiten. Nach weltweiter Auflösung des Jesuitenordens 1773 durch Papst Clemens XIV. lag die seelsorgerische Betreuung der Kapelle nunmehr bei der Quirinus-Pfarre. Die Kapelle steht seit 1912 in der Obhut der Stadt Neuss. Damals verkaufte der bisherige Eigentümer Dietrich Freiherr von Boeselager das Haus Selikum an die Stadt Neuss mit der Verpflichtung, die Kapelle dauernd für den kath. Gottesdienst zu erhalten. Die Betreuung der Kapelle lag seit 1911 bei der Dreikönigen-Pfarre und seit 1939 bei der Elisabeth-Pfarre. Seit 1962 ist die Hubertus-Pfarre für die Kapelle zuständig.

Die Cornelius-Kapelle, mehrfach beschädigt aber immer wieder aufgebaut bzw. umgebaut, wurde zuletzt bei einem Luftangriff auf Neuss am 29.11.1944 stark in Mitleidenschaft gezogen. Dachstuhl, Fenster und Mauerwerk wurden beschädigt. Vieles, was die Kapelle bis in die Kriegsjahre hinein schmückte, wurde entweder zerstört oder ging durch die Kriegswirren verloren.
1950 wurde die Kapelle vollständig renoviert. Der Entwurf der inneren und äußeren baulichen Veränderungen stammt vom Neusser Architekten Paul Hermes.

In Pestzeiten, bei Viehseuchen und in Kriegszeiten fand dieser Ort als Wallfahrtsziel bei der Bevölkerung von Neuss und Umgebung großen Zulauf. So pilgern die Bewohner der nahe gelegenen Ortschaft Holzheim seit dem 18. Jh. jedes Jahr während der Cornelius-Oktav zur Kapelle als Dank dafür, dass sie von der furchtbaren Pest verschont geblieben sind. In den 30er bis Mitte der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts erlebten die Wallfahrten nach Selikum durch die Initiative des Neusser Kaufmanns Quirinus Jaegers (* 1879, + 1955) einen enormen Aufschwung. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen nur noch wenige Pilger. In jüngster Zeit sind Wallfahrten und Gebetsbesuche zum hl. Cornelius in dieser Kapelle wieder zahlreicher geworden.Ein alter von der Innenstadt kommender Wallfahrtsweg zur Cornelius-Kapelle mit den alten Grabkreuzen (17.-19. Jh.), dem Alexianerkreuz/Marterl (1935), der Wegekapelle Maria Rast (1638) und dem Pestkreuz (vermutlich 19. Jh., Sockel 1613) wurde 2005 als Pilgerweg ausgeschildert. Bereits 2004 wurde ein vom Steinbildhauer Harald Kuhn beschrifteter Gedenkstein in Form eines Findlings (rötlicher Granit) im Eckbereich der Brücke über die Obererft in der verlängerten Eichendorffstraße/Wallfahrtsweg aufgestellt, der darauf hinweist, dass es sich bei der Brücke um die Cornelius-Brücke handelt.

 

Der heilige Cornelius

Wer ist dieser Heilige, der in dieser Kapelle seit so früher Zeit verehrt wird? Der in Rom lebende Presbyter Cornelius kam irn März 251 auf den Stuhl Petri, der durch die schlimme Christenverfolgung unter Kaiser Decius ein Jahr unbesetzt geblieben war.
Der fromme und demütige Hirte setzte sich dafür ein, dass de während der Verfolgung abgefallen Christen nach gebührender Buße wieder Aufnahme in die kirchliche Gemeinschaft finden sollen. Hiermit war die strengere Minderheit des römischen Klerus nicht einverstanden und erhob Novatian zum Gegenbischof. Cornelius konnte, sich aber im Herbst 251 auf einer von sechzig Bischöfen besuchten römischen Synode gegen den strengeren Gegenbischof Novatian durchsetzen. Daraufhin wurde Novatian von der Synode aus der Kirche ausgeschlossen. Als Kaiser Gallus die, Christenverfolgung wieder aufnahm, wurde Cornelius, im Juni 253 aus Rom verbannt und starb kurz darauf am 14.9.253 in Centumcellae (dem heutigen Civiatavecchhia) bei Rom. Sein Leichnam wurde in der Lucinagruft der Calixtus-Katakombe in Rom beigesetzt.
Um 875 kam die Schädel- die rechte Armreliquie des hl. Cornelius nach Kornelimünster bei Aachen. Von hier aus begann seine Verehrung in der weiteren Region.
Die Kirche feiert sein Andenken am 16. September. Her in der Cornelius-Kapelle wird seiner in einer einwöchigen Oktav um diese Zeit gedacht.
St. Cornelius gilt neben St. Quirinus, St. Hubertus und St. Antonius zu den sogenannten vier heiligen Marschällen, die Gott als besonders nahestehend gelten und von den Gläubigen daher um Beistand angerufen werden. Der hl. Cornelius wird um Hilfe angerufen gegen Fallsucht, Nervenleiden und Kinderkrankheiten. Seit dem 15. Jahrhundert erhält er in Darstellungen auch das Horn als Attribut, weil man seinen Namen von Cornu (lat.) = Horn ableitete, und so wird er auch als Schutzherr des gehörnten Viehs und des Bauernstandes allgemein betrachtet.

Texte: Heinz Eickelmann

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Corneliuskapelle
Gerhard-Hoehme-Allee 1
41466 Neuss